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Gebirgsmedizinische Problematik 18.07.2009 22:41
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Letzten Monat musste ich meine Reise in Peru abbrechen, nachdem ich in Cuzco wegen der Höhenkrankheit im Spital behandelt werden musste. Nach einer Woche Aufenthalt im "Unterland" von Peru flogen wir von Lima nach Cuzco (3400 m). Noch am gleichen Tag ging die Reise weiter hinunter ins Urubambatal, dann nach Aguas Calientes (2000 m), wo wir schliesslich zwei Nächte verbrachten. In den Tagen in Aguas Calientes waren wir zu Fuss in Höhen zwischen 2000 m und 2700 m unterwegs. Am Abend des dritten Tages reisten wir wieder von Aguas Calientes nach Cuzco, wo wir planten, für drei Nächte zu bleiben. Bereits nach wenigen Stunden in Cuzco bekam ich leichte Kopfschmerzen, mit denen ich mich zu Bett legte. In der Nacht erwachte ich dann mit starken, migräneartigen Kopfschmerzen, bekam Atemnot und musste mich mehrmals übergeben. Am Morgen wurde ich dann von einem lokalen Arzt ins nahegelegene Touristenspital gebracht, wo ich während rund drei Stunden mit Sauerstoff versorgt wurde. Danach wurde ich unter Mitgabe von Medikamenten wieder entlassen. Unsere Reise wäre von Cuzco weiter nach Bolivien gegangen. Dabei hätten wir uns in Höhen zwischen 4000 m und 5300 m bewegt. Aufgrund der schlechten medizinischen Versorgung in Bolivien wurde mir von einem Regaarzt von der Weiterreise abgeraten. Bevor wir in die Höhe flogen, nahmen wir keinerlei Medikamente zur Vorbeugung (Diamox o.ä.) ein. Wir tranken lediglich viel - u.a. Mate de Coca. Die "verpasste" Region schmerzt uns beiden nach wie vor. Gerne würden wir in Zukunft wieder einen Versuch starten. Gibt es ein Möglichkeit, dass ich mich vor der Reise bezüglich der Höhenverträglichkeit testen lassen kann? Ich muss vielleicht an dieser Stelle anführen, dass ich ich Vergleich zu anderen Personen in meinem Bekanntenkreis in der Höhe in der Schweiz, d.h. ab ca. 1800 m merklich mehr Probleme habe (verminderte Leistung). Grundsätzlich bin ich fit und treibe regelmässig Sport, aber sobald ich in die Höhe komme, wird meine Leistung merklich eingeschränkt. Wo kann ich mich informieren und mich für ein nächstes Mal vorbereiten bzw. abchecken lassen? Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir entsprechende Tipps oder Ausführungen mitteilen könnten.
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Aw: Gebirgsmedizinische Problematik 18.07.2009 22:42
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Danke für Ihre Anfrage. So wie Sie es beschreiben, haben Sie eine klassische akute Bergkrankheit (AMS), möglicherweise in Verbindung mit einem Höhenlungenödem (HAPE) gehabt. Die wichtigsten Symptome der AMS sind Kopfschmerzen, Müdigkeit bis hin zur Schwäche, Schlafstörungen, Magen-Darm-Störungen (Durchfall, Erbrechen), Wassereinlagerungen unter der Haut (Ödeme), Gleichgewichtsstörungen, erhöhte Körpertemperatur und manchmal auch psychische Veränderungen. Das HAPE zeichnet sich initial durch einen starken Abfall Ihrer Leistungsfähigkeit aus, später finden sich Atemnot, Husten und hörbare Rasselgeräusche beim Atmen. Eine vermehrte Anfälligkeit hierfür ist für Menschen beschrieben, deren genetische Wurzeln in Flachlandregionen liegen (Küstennähe). Ob Sie eine vermehrte Anfälligkeit für höhenrelevante Erkrankungen haben, könnte man möglicherweise molekularbiologisch abklären. Da Sie aber in Ihrem täglichen Leben unbeeinträchtigt sind, hätte es keine therapeutische Konsequenz für Sie. Das Wichtigste ist eine gute Akklimatisation ab 2500 Höhenmetern. Akklimatisation ist der Vorgang, bei dem sich der menschliche Körper auf eine neue Höhenregion anpasst. Die Akklimatisationszeit hängt von der Aufstiegsgeschwindigkeit, der absolut erreichten Höhe, der Höhendifferenz zwischen zwei Aufenthaltsorten und der allgemeinen gesundheitlichen Kondition ab. Ausserdem ist sie individuell sehr variabel. Bergsteiger mit einer guten Reaktion der Atmungsverstärkung oder Mehratmung auf die höhenbedingte Sauerstoffarmut sind deutlich weniger für die Höhenkrankheit anfällig. In Abhängigkeit dieser Faktoren beträgt die Akklimatisationszeit zwischen 3 und 14 Tagen. Es gibt Medikamente, die eine gute Akklimatisation simulieren und daher von Höhenbergsteigern häufig verwendet werden. Sie ersetzen jedoch nie das Einhalten der Regeln für das Erreichen einer symptomlosen Akklimatisation, sondern sind eher für Bergsteiger gedacht, welche als anfällig für die Höhenkrankheit gelten. Unter anderem sind dies Acetazolamid (Diamox), Nifedipine (Adalat) und Dexamethasone (Fortecortin). Die SGGM empfiehlt jedoch nicht, diese Medikamente prophylaktisch anzuwenden, sondern allenfalls als Überbrückung bei höhenbedingten Symptomen. Mit oder ohne Medikamente: keinesfalls sollte man weiter aufsteigen, wenn man relevante Krankheitszeichen hat. Ich hoffe, ich konnte Ihnen ausreichend Auskunft geben.
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Aw: Gebirgsmedizinische Problematik 18.07.2009 22:42
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Herzlichen Dank für die prompte und sehr ausführliche Antwort! Gerne würden wir nächstes Jahr wieder nach Südamerika reisen. Die Problematik unserer Reisedestination liegt darin, dass die Gegend (Bolivien) sehr schwach zivilisiert ist und die Dörfer respektive die Unterkünfte weit auseinander liegen. Weiter kann es sein, dass ein Dorf (Beispiel San Pedro de Atacama/Chile) auf 2500 m liegt, die nächste Unterkunft zwar nur 60 km entfernt, dafür bereits auf 4400 m ist (Laguna Verde/Bolivien). Da die Strassen sehr schlecht sind, weiss ich nicht, ob ein Hin- und Zurückfahren am gleichen Tag realistisch ist. Zumal würden wir ja gerne mehrere Tage auf über 4000 m verbringen. Wie müsste ich mich da am besten Akklimatisieren? Bin ich, wegen meines kürzlichen Vorfalles, anfälliger? Kann ich bereits von der Schweiz aus die "Höhenverträglichkeit" trainieren respektive testen? In der Schweiz leben wir am Zürichsee, also auf rund 400 m. An solche Höhen sind wir uns beide also nicht gewohnt.
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Aw: Gebirgsmedizinische Problematik 18.07.2009 22:43
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Ich war gerade in den Ferien an der türkischen Riviera, daher die Latenz.Natürlich ist das Problem mit der raschen Überwindung von Höhendifferenzen in Südamerika bekannt. Man bedenke den Ticlio-Pass (4843m) sowie die daneben befindliche Eisenbahnstrecke. Angeblich fährt in den Zügen immer ein Arzt mit diversen Sauerstoff-Flaschen mit, um die AMS zu behandeln. Sie können das Problem nur umgehen, wenn Sie sich genügend Zeit geben zu akklimatisieren. Hier in der Schweiz können Sie sich in einer infrastrukturell und rettungstechnisch gut abgesicherten Gegend auf Ihre Höhenaufenthalte vorbereiten, indem Sie Hochtourenwochen machen. Die Akklimatisation, die während dieser Zeit stattfindet, hält danach für wenige Wochen vor. Trotzdem: eine Garantie gegen die AMS ist auch das nicht.
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