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Aw: Akute Bergkrankheit 12.12.2009 17:37
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Sorry, ich bin wieder mal einen Monat später mit der Antwort. Kennen Sie das auch? Seit man öfter e-mailt als Briefe oder Postkarten zu schreiben, verschieben sich diese Sachen noch mehr nach hinten als das vorher mit den Postsachen der Fall gewesen wäre. Naja, vielleicht liegt das auch daran, dass ich keine Sekretärin habe und sich die ganzen SGGM-Sachen sozusagen auf meinem virtuellen Schreibtisch türmen.
Nun aber zu Ihrer Mail. Ja, Dexamethason hätte Ihnen mit Sicherheit geholfen und Ihnen den Abtransport per Helikopter wahrscheinlich erspart. Allerdings hätten Sie bei Einsetzen der Wirkung (ca. 30-60 min nach Einnahme) sofort in Begleitung nach unten gehen müssen. Jeder Meter an Höhenverlust hätte Ihre Problematik gebessert. Dexamethason senkt nicht nur den Hirndruck (Hauptproblem beim AMS und HACE) sondern ist auch ein Stresshormon, welches Ihrem Körper "Speed" gibt. Daher zählt es beim Leistungssport auch unter Doping. Wie auch immer - Sie hatten ein konkretes gesundheitliches Problem und da stellt sich die Frage nach sportlicher Fairness nicht.
Dexamethason wird nach Einnahme im Magen und oberen Dünndarm rasch und vollständig aufgenommen. Maximale Blutspiegel erscheinen zwischen der ersten und zweiten Stunde, die volle Wirkungsentfaltung wird aber erst nach 6-24 Stunden erreicht, was aber nicht heißt, dass Dexamethason nicht bereits nach einer Stunde zu wirken beginnt. Die eingenommene Menge von Dexamethason erscheint nach und nach fast vollständig im Blut (ca. 80–90%). Wir empfehlen, das Dexamethason bei AMS und Verdacht auf Höhenhirnödem 3 x täglich einzunehmen. Das heißt, Sie hätten 6-7 Stunden nach Einsetzen der Wirkung Zeit gehabt, die für Sie gefährliche Höhe in Begleitung zu verlassen. Das Gelände dort ist technisch nicht sehr anspruchsvoll und das Wetter war optimal. Eine Übernachtung auf der Capanna wäre aber auch mit Medikamenten zu gefährlich gewesen und wäre daher nicht in Frage gekommen. Aber bis zur Monte-Rosa-Hütte hätten Sie es problemlos geschafft.
Zum zweiten Teil Ihrer Frage: stellen Sie sich für die Jungfrauregion eine Rucksackapotheke zusammen. Akklimatisation ist natürlich immer das oberste Gebot. Wie Sie aber aus unserem vorgängigen Mailwechsel schon wissen und wie Sie es am eigenen Leib erfahren haben, bietet Ihnen das auch keinen 100%igen Schutz. Falls Sie Fragen zur Zusammensetzung der Apotheke haben, besuchen Sie doch einen unserer Kurse, z.B. den Sportklettermedizinkurs 29./30 Mai 2010 im Tessin, Raum Biasca-Bellinzona oder den Höhenmedizinkurs im Expeditionsstil in Zermatt 26.-31. Juli 2010. Wir bieten diese Kurse auch Nichtmedizinern an, auch wenn viele theoretische Dinge natürlich sehr in die Tiefe gehen. Aber die praktische Erfahrung ist bei allen gleich und wir haben an jedem Höhenmedizinkurs die Möglichkeit/Notwendigkeit, einige Kursteilnehmer zu behandeln.
Ich kann Ihnen diese Fortbildung also nur empfehlen. Falls Sie Interesse haben, Sie finden uns unter www.hoehenmedizin.org.
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Aw: Akute Bergkrankheit 12.12.2009 17:35
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Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort!
Ja, es ist sehr gut möglich, dass wir uns in diesen Tagen im Monte Rosa Gebiet irgendwo gekreuzt haben. Die gelben Zelte von so einer Expedition konnten wir von der Hütte oben sehen.
So wie mir die Helicrew erzählt hat, hatten sie kurz vor meinem Abtransport eine Rettung auf der Ludwigshöhe - auch mit akuter Bergkrankheit. Somit haben Sie sehr wahrscheinlich meinen Abflug von der Hütte mitverfolgt.
Waren Sie denn zu diesem Zeitpunkt oben bei der Hütte? Da war nämlich auch zufällig ein Arzt oben, der uns noch sagte, dass er mir wohl ein Medikament geben könne und es mir bald wieder besser gehen würde, doch ihm gefallen meine aufgeschwollenen Hände nicht und ein Transport nach Zermatt wäre besser.
In Zermatt wurde ich in der Helibasis vom Arzt untersucht. Er hörte keine Geräusche in der Lunge, die auf ein Lungenödem schliessen würden.
Mein Problem war jedoch noch die Hyperventilation, aus welcher ich vorerst nicht heraus kam. Ich bekam dann Sauerstoff und später noch eine Infusion mit ein wenig Dormicum zum beruhigen. Das half dann auch.
Ich wurde zur Kontrolle vom Blut in eine Arztpraxis in Zermatt gefahren. Der Arzt meinte, dass mein Blut in Ordnung wäre und ich auch genug getrunken hätte.
Sie haben dieses Dexamethason erwähnt. Nehmen wir an, ich hätte so etwas erhalten: wie lange wirkt denn das Medikament? Hätte das bis am nächsten Morgen gewirkt? Was, wenn die Wirkung nachlässt? Kämen dann die Symptome wieder zurück? Ich wäre ja immer noch in der Höhe gewesen, denn wir wollten in der Capanna Margherita übernachten.
Was raten Sie mir für weiter Touren in der Höhe? Wir haben im Sinn, im nächsten Sommer eventuell, ein paar Tage in der Jungfrau Region zu sein.
Sollte ich mich da vorher einer ärztlichen Untersuchung unterziehen, um eventuell diese Medikamente mit zu haben, die sie da erwähnt haben? Oder soll ich mich einfach gut anklimatisieren und es ohne Medikamente wagen?
Dieses Erlebnis mit der akuten Höhenkrankheit war für mich sehr eindrücklich und hat mein Interesse an diesem Phänomen geweckt! Unglaublich, wie so ein Körper funktioniert und reagiert! - ein wahres Wunderwerk!
Vielen Dank für Ihre Ausführungen! Und wer weiss, vielleicht begegnen wir uns ja einmal irgendwo in den Bergen.
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Aw: Akute Bergkrankheit 12.12.2009 17:32
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Danke für Ihre Anfrage. Sie haben ein sehr detailliertes Bild Ihrer Höhenproblematik auf der Signalkuppe gegeben. Möglicherweise haben sich unsere Wege an diesem Tag gekreuzt, weil wir mit unserer Gruppe des "Höhenmedizinkurses im Expeditionsstil" in dieser Woche auch auf Ludwigshöhe und Signalkuppe waren. Wir beobachteten den (sehr rasanten) Heli-Abtransport einer Patientin von der Capanna Regina Margarita am Donnerstag 20.08.09. Waren das etwa Sie?
Wie Sie bereits richtig bemerkten, haben Sie an der akuten Bergkrankheit (AMS) gelitten. Die klassischen Beschwerden sind Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwäche, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, periphere Ödeme, bis hin zu psychischen Veränderungen und später auch leichgewichtsstörungen. Die einzig richtige Entscheidung in Ihrer Situation war der Abtransport in tiefere Höhenlagen. Eine spezielle Untersuchung für eine vermehrte AMS-Anfälligkeit gibt es bislang nicht. Praktisch kann Ihnen das immer mal wieder passieren.
Wie Sie bereits richtig bemerkten, kann man sich nur durch optimale Akklimatisation einigermassen schützen - sicher ist man vor einer AMS nie! Akklimatisiert waren Sie jedoch nach drei Tagen noch nicht vollständig. In den Alpen, wo man bei gutem Wetter jederzeit vom Helikopter gerettet werden kann, geht man das Risiko natürlich eher ein, als z.B. im Himalaya, wo sich die Bergsteiger sehr viel länger auf einen Aufenthalt in grossen und extremen Höhen vorbereiten.
Gewisse Medikamente können sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch eingenommen werden, das sollte von Fall zu Fall jedoch abgewogen werden. In Ihrer Situation hätte Dexamethason wahrscheinlich gut geholfen, speziell für den Fall einer Helikopter-Verhinderung.
Sie haben die Herzerkrankungen in Ihrer Familie erwähnt. Nach den körperlichen Anstrengungen, die Sie die drei Tage vorher problemlos durchstanden haben, kann man Sie sicher als herzgesund einschätzen, daher müssen Sie diesbezüglich keine zusätzlichen Risiken befürchten. Ein Asthma verbessert sich in der Höhe eher, sofern es nicht durch Kälte oder Anstrengung selbst ausgelöst wird. Sie haben diesen Fakt ja schon erwähnt. Das könnte natürlich zur Verschlechterung der Symptome beigetragen haben, sofern der Gasaustausch in Ihrer Lunge gestört war. Im Nachhinein kann man das immer schwer verifizieren.
Wenn eine Studie zur Höhenforschung ansteht, schreiben wir das i.d.R. z.B. in den Alpen aus. Momentan suchen wir jedoch nicht.
Falls Sie weitere Fragen haben, können Sie mich gerne kontaktieren.
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Akute Bergkrankheit 12.12.2009 17:18
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Guten Tag
Ich war diesen Sommer vom 17.-20.August auf einer Monte Rosa Hochtourenwoche. Für diese Tour habe ich mich gut vorbereitet, war viel auf Bergwanderungen und auf zwei 4000-er zur Aklimatisation. Am 4.Tag unserer Hochtour,(wir hatten bereits 6 4000-er bestiegen und jeweils zwischen 3400m - 3500m übernachtet), stiegen wir von der Capanna Mantova viaLudwigshöhe, Parrotspitze zur Signalkuppe auf.
Wir wählten wie schon während der ganzen Woche ein gemütliches Marschtempo. Interessanterweise war ich an diesem Morgen nicht so fit wie an den anderen Tagen. Ich musste mich mehr anstrengen zum laufen. Ich machte mir deswegen jedoch keine grossen Gedanken, da man ja schliesslich nicht jeden Tag gleich fit ist. Beim Aufstieg zur Parrotspitze bemerkte ich dann zum ersten Mal ganz leichte Kopfschmerzen. Auch da machte ich mir keine grossen Gedanken, da ich das in den Bergen schon öfters hatte. Zudem war wieder, während der ganzen Woche ein Prachtswetter mit hohen Temperaturen und viel Sonnenschein. Ich trug wie immer ein Kopftuch zum Schutz vor der Sonne.
Nach der Überschreitung der Parrotspitze machten wir im Seserjoch eine Pause und assen und tranken. Meine Kopfschmerzen haben etwas zugenommen, doch ich wollte keine Medikamente einnehmen. Der Aufstieg zur Signalkuppe wurde für mich dann zu einer mühsamen Sache. Ich war kraftlos, hatte Mühe, mit der Atmung und wenn ich den Kopf zu fest bewegte, hämmerte es ziemlich dort drin! Ich habe den Aufstieg jedoch geschafft, ruhte mich oben bei der Hütte erst einmal aus und genoss das herrliche Panorama.
Ich erholte mich rasch und ich hatte ausser dem Kopfweh keine Beschwerden mehr, was mich natürlich freute. In der Hütte tranken wir wie immer Tee und ich probierte, etwas zu essen. Doch ich hatte keinen Appetit. Die Kopfschmerzen nahmen plötzlich wieder stark zu und es machte sich auch Übelkeit bemerkbar. Ich nahm eine Schmerztablette, welche jedoch nicht viel half. Ich legte mich in mein Bett und hoffte auf Besserung. Doch leider nahm die Übelkeit zu und ich musste sehr heftig erbrechen. Dazu kam starker Schüttelfrost und Hyperventilation. Ich bemerkte auch gut sichtbare Oedeme an meinen Händen und Füssen.
Der Hüttenwart und ein zufällig anwesender Arzt gaben uns den Rat, direkt einen Helikopter zu alarmieren und mich nach Zermatt zu fliegen. Das machten wir auch. In Zermatt ging es mir dann schnell wieder besser. Der diensthabende Arzt in Zermatt diagnostizierte die akute Bergkrankheit.
Nun meine Fragen: wie kann ich herausfinden, ob ich anfällig für diese Krankheit bin? Gibt es da spezielle Untersuchungen oder Ärzte? Lohnt sich eine Abklärung in meinem Fall?(Ich möchte auch in Zukunft solche Touren unternehmen.) Ich war schon auf anderen 4000-er, jedoch "nur" als Tagestour und hatte keine solchen Beschwerden. Ist dieses Ereignis zufällig und einmalig oder könnte ich bei weiteren Touren wieder in die gleiche Situation geraten? Was kann ich dagegen tun?
In meiner Verwandschaft sind Asthma und Herzkranheiten ein Thema. Bei mir wurde jeglich ein Verdacht auf Asthma diagnostiziert. Leichte Berschwerden habe ich jedoch nur in der Kälte bei Anstrengung.Könnte das mit ein Grund für diese Krankheit haben? Ich weiss, dass in der Margheritahütte Forschungen über die Bergkrankheit gemacht werden. Das finde ich sehr interessant!
Irgendwo habe ich dann auch einmal gelesen, dass da immer wieder Patienten gesucht werden. Stimmt das? Was werden da für Voraussetzungen verlangt und kann man sich da irgendwo melden, falls man sich zur Verfügung stellen möchte?
Ich bedanke mich für eine Antwort auf meine Fragen. Gerne stehe ich ihnen bei weiteren Fragen zur Verfügung.
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